Monday, May 27th 2019, 2:20pm UTC+2

You are not logged in.

  • Login
  • Register

Dear visitor, Welcome to Casperworld Forum. If this is your first visit here, please read the Help. It explains how this page works. You must be registered before you can use all the page's features. Please use the registration form to register here or read more information about the registration process. If you are already registered, please login here.

Minifant

Imperator

Date of registration: Nov 22nd 2007

Posts: 562 Aktivitäts Punkte: 2,930

Location: bei Maxifant

1

Saturday, January 3rd 2009, 2:16am

Bübchen

Das Jahr 2009 beginnt mit einem Film, der nun 40 Jahre nach seiner damals von Publikum und Kritikern kontrovers aufgenommenen Uraufführung auf DVD erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wird.

Filmtitel: Bübchen
Regie: Roland Klick
Darsteller: Sascha Urchs
Produktion: Westdeutschland 1968



ab 15.1.2009 auf DVD im Handel

Inhalt
An einem Samstagnachmittag soll die jugendliche Nachbarstochter Monika auf den neunjährigen Achim und sein kleines Schwesterchen Katrin aufpassen, während die Eltern der Kinder zusammen mit den Nachbarn auf eine feucht-fröhliche Feier fahren. Die Teenagerin hat wenig Lust dazu, zumal sie Achim nicht ausstehen kann, weil er ständig Lügengeschichten erzählt. Als ihr Freund mit seinem lilafarbenen Auto aufkreuzt, unternimmt sie mit ihm eine Spritztour und läßt die Kinder allein.
Achim zieht seiner kleinen Schwester eine Plastiktüte über den Kopf und beobachtet, wie sie erstickt. Dann transportiert er die Leiche der Kleinen in eine Decke eingewickelt seelenruhig im Leiterwagen zur nahegelegenen Müllhalde. Unterwegs macht er am Bolzplatz Halt, wo seine Kumpels sich zum Fußballspielen versammelt haben. Sie erwarten Achim schon, denn er besitzt als einziger einen Ball. Lustlos holt Achim seinen Fußball aus dem Leiterwagen und spielt eine Runde mit. Dann zieht er weiter zu der verwilderten Grube, wo Autowracks und anderes Gerümpel in der Landschaft herumliegen, und entsorgt die Leiche im Kofferraum eines Schrottautos.
Monika ahnt nichts und merkt nichts, als sie von ihrem Ausflug wieder ins Haus kommt. Erst als die beschwipsten Erwachsenen vom Fest zurückkommen, fällt langsam auf, daß Katrin verschwunden ist. Monika wird zur Rede gestellt, sie versucht sich mit Ausflüchten wegzustehlen. Achim weiß nichts. Verzweifelt suchen die Eltern nach dem Kleinkind. Sie machen schnell dem befreundeten Nachbarspaar schwere Vorwürfe, weil deren Tochter nicht richtig aufgepaßt hat. Bei einem ersten Polizeiverhör legt Achim eine Spur zu Monikas Freund, dessen Wagen zur Tatzeit ja auch wirklich in der Straße gewesen war. Der junge Mann ist fassungslos, daß er eines Sittlichkeitsverbrechens verdächtigt wird. Man kann ihm auch nichts nachweisen. Die Polizei kommt bei den Ermittlungen nicht weiter. Während Monika sich bei ihren Aussagen in Widersprüche verstrickt, bleibt Achim wortkarg...

[attach]22959[/attach]

Interpretation
Auf den ersten Blick entspricht der Film im Handlungsaufbau und vor allem in den Verhörmethoden der Kripo dem typischen westdeutschen Fernsehkrimi der 1960er Jahre - mit Ausnahme des Umstands, daß der Zuschauer den Mörder schon von Beginn an kennt. Allerdings ist auch das sehr vage, denn die Szenen von der Tat sind so flüchtig, daß man das kaum realisiert. Krasse Logiklöcher verleihen zudem dem Film eine ganz andere Intention.
Irritiert hat das Publikum bei der Aufführung seinerzeit das Fehlen einer explizit aufgedröselten psychologischen Erklärung für den Mord. Genau dies wollte Regisseur Roland Klick nicht liefern, denn die Analyse soll der Zuschauer selbst bewerkstelligen. Es ist nämlich schmerzhafter, wenn man sich unmittelbar in die kleinbürgerliche Welt hineinbegeben muß, um deren emotionale Defizite als Ursache für das Verhalten des Jungen zu erkennen. Eine Menge Leute, die sich mit so einer vermeintlich ganz normalen Familie identifizieren, dürften sich enorm brüskiert fühlen, wenn ihnen vor Augen gehalten wird, daß eine solche Tragödie auch ihnen passieren könnte.
Zwischen Achim und seinen Eltern besteht eine reine Zweckverbindung, die sich nur auf den technischen Ablauf des Alltags in der Wohngemeinschaft "Familie" beschränkt. Für die persönlichen Interessen, Fragen und Gefühle ihres Sohns haben die selbstbezogenen Eltern überhaupt keine Wahrnehmung. Roland Klick beobachtet mit der Kamera in bedrückender Atmosphäre ein Geschehen, wie es später Michael Haneke in "Bennys Video" aufgreift. Allerdings ist der Charakter des Jungen in "Bübchen" vielschichtiger. Achim kann mit seinen neun Jahren die Dimension der begangenen Tötung nicht erfassen, er konstruiert aber mit einer unheimlich wirkenden Intelligenz Geschichten und Motive rund um den Vorfall.

Filmkritik © by "Minifant"
Text verlagsrechtlich geschützt


[attach]22960[/attach] [attach]22961[/attach] [attach]22962[/attach]

Die DVD enthält zum Film einen aktuellen Audiokommentar von Regisseur Roland Klick und ein langes Interview. Darin erfährt man zwischen vielen anderen Anekdoten ein paar Hintergründe über den Jungdarsteller und die Filmarbeiten mit ihm: Sascha Urchs hatte vorher keine Filmerfahrung. Der Junge wurde von seiner Mutter zum Casting geschleppt und hatte überhaupt keine Lust dazu. Entsprechend gab er sich beim Vorsprechen ziemlich abweisend und etwas trotzig. Genau das gab für Roland Klick den Ausschlag, ihm vor den ganzen bereits für die Kamera abgerichteten Kindern den Vorzug zu geben. Sascha Urchs hat danach keine weiteren Filme gemacht, ist also kein "Star" geworden, sondern arbeitet heute (laut Roland Klick) als Professor in Berlin.
  • Go to the top of the page

Prometheus

Dr. Hasenbein

Date of registration: Aug 10th 2007

Posts: 8,473 Aktivitäts Punkte: 43,160

Location: Schwäbischer Hasenbau

2

Saturday, January 3rd 2009, 4:45am

Danke für die Filmbesprechung, scheint wieder mal ein sehr außergewöhnlicher und interessanter Streifen zu sein. :thumbup:
Vive et alios sine vivere!

  • Go to the top of the page

Huckleberry

Unregistered

3

Saturday, January 3rd 2009, 10:58am

Den Film habe ich schon seit Jahren auf meiner TV-Suchliste. Ist aber seitdem nicht gezeigt worden.
  • Go to the top of the page

Brian

Ehrenmitglied

Date of registration: Dec 7th 2002

Posts: 910 Aktivitäts Punkte: 4,810

Location: United Federation of Planets

4

Saturday, January 3rd 2009, 11:58am

Die Handlung hört sich so ein wenig an wie bei "Unter dem Eis" mit Adrian Wahlen. Da war es nicht das Schwesterchen sondern die Tocher von Bekannten, die im Wald mit einer Tüte erstickt wurde, während die Mutter des "Täters" eine feuchtfröhliche Tupperparty für Unterwäsche mit ihren Freundinnen feiert.
  • Go to the top of the page

Argetlam

Imperator

Date of registration: Dec 24th 2008

Posts: 564 Aktivitäts Punkte: 2,850

Location: Bielefeld

5

Saturday, January 3rd 2009, 3:00pm

Die Story hört sich schon krass an. :D
Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten oder meistbietend bei ebay verkaufen.

KITZEL MICH

Bis zum 16. Jahrhundert dachte man die Erde sei eine Scheibe. Dann dachte man bis zum 21. Jahrhundert, sie sei eine Kugel.


Jetzt weiß man: Sie ist ein Würfel
  • Go to the top of the page

Eumenes

Hüter des Lichts

Date of registration: Nov 12th 2008

Posts: 2,414 Aktivitäts Punkte: 12,180

Location: Valinor

6

Saturday, January 3rd 2009, 3:01pm

Scheint wirklich ein interessanter Film zu sein.

Traurig ist, dass sich an den kritisierten Zuständen auch nach 40 Jahren nichts wirklich verbessert hat ... eher verschlimmert. :(
They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.
(Benjamin Franklin)
  • Go to the top of the page

pyXis

Hüter des Lichts

Date of registration: Jan 3rd 2006

Posts: 1,970 Aktivitäts Punkte: 10,005

Location: pyxis: Sternbild des Südhimmels

7

Saturday, January 3rd 2009, 10:09pm

Danke für die Vorstellung!
Lief das denn schon mal im TV? Ich kann mich vage an die beschriebene Handlung erinnern, oder war das einer der zitierten anderen Filme?


(hm, 1970 im Schweizer Fernsehen, das kann ich nicht gesehen haben...)

This post has been edited 1 times, last edit by "pyXis" (Jan 3rd 2009, 10:25pm)

  • Go to the top of the page

Hibiki

Hüter des Lichts

Date of registration: Apr 7th 2009

Posts: 2,178 Aktivitäts Punkte: 11,325

8

Sunday, January 10th 2016, 2:43pm

Der Junge wurde von seiner Mutter zum Casting geschleppt und hatte überhaupt keine Lust dazu. Entsprechend gab er sich beim Vorsprechen ziemlich abweisend und etwas trotzig.

Ironischer Weise hat ihn genau dieses Verhalten für diese Rolle prä­de­s­ti­niert ^ ^.
Zwei Jahre nach seinem kommerziellen Misserfolg wurde "Bübchen"übrigens als "Der kleine Vampir" wiederaufgeführt.
  • Go to the top of the page

Similar threads