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Minifant

Imperator

Registrierungsdatum: 22. November 2007

Beiträge: 549 Aktivitäts Punkte: 2 860

Wohnort: bei Maxifant

1

Freitag, 21. Oktober 2016, 10:38

Camp Evil

Die im Release-Thread anhaltende Debatte über den Film darf hier weitergeführt werden. Als Diskussionsgrundlage stelle ich meine Rezension in den Raum. Sie enthält Spoiler, es ist jedoch davon auszugehen, daß alle, die sich bisher polarisierend über den Film auslassen, ihn auch bereits gesehen haben.

[attach]54826[/attach] [attach]54827[/attach] Blu-ray mit Wendecover

CAMP EVIL
Originaltitel: Welp
Produktion: Belgien 2014
Filmlänge: BD 81 Min. ohne Abspann
Regie: Jonas Govaerts
Darsteller: Maurice Luijten, Gill Eeckelaert


Filmbesprechung

Tief in den Ardennen schlägt die Pfadfindergruppe "Wölflinge" aus Flandern ihr Ferienlager auf. Um es für die Jungs spannender zu machen, warnen die Betreuer Peter, Kris und Jasmijn vor Kai, einem Werwolf in Jungengestalt, der in diesem Wald haust und erst kürzlich ein Mädchen umgebracht haben soll.
Schon bald macht der 12jährige Sam Bekanntschaft mit einem halbnackten wilden Wesen, welches in einem Baumnest wohnt. Natürlich glaubt ihm niemand, denn Sam ist der Sonderling in der Gruppe, und er wird von den anderen Kindern als Spinner gemobbt. Auch Peter quält den Jungen bei jeder Gelegenheit mit sadistischen Schikanen. Sam geht seinen Beobachtungen weiter nach. Die jungenhafte Kreatur mit einer unheimlichen Maske auf dem Kopf lockt den Pfadfinder in der Nacht vom Zeltlager weg...

Voreilige Kritiker, die es für unangebracht befinden, so einen Horrorslasher mit Kindern zu drehen, sollen den Film doch bitte erst mal anschauen, bevor sie urteilen. Der 14jährige Hauptdarsteller Maurice Luijten äußert sich vor der Presse als selbstbewußter, aufgeklärter Teenager mit klarem Auge für das gruselige Filmgenre.
Der solide produzierte Film aus Belgien entspinnt eine hübsche Horrormär mit rohen Schockeffekten und mehr Schlamm als Kunstblut. Der elektronische Soundtrack im Tangerine Dream Stil der 1980er Jahre erzeugt eine klassische Atmosphäre aus parapsychologischer Angststimmung.
Das Pfadfindercamp der Wölflinge in dem weit abgelegenen Waldstück wird zur Todesfalle, denn ein echter Wölfling erwartet die Jungs dort. Das ist der charakteristische Inhalt eines Horrorfilms. Etwas hinterhältig Böses lebt in diesem Wald, und der kleine Teufel ist sein Gehilfe. Es erhöht den Gruselfaktor, daß das knurrende Geschöpf ein Kind ist. Hinter des Maske des Waldgeists Kai steckt Gill Eeckelaert. Seine Rolle ohne Worte füllt er mit agilem Körpereinsatz aus. Nicht viele Horrorfilme können mit der mimischen Darstellung einer monsterhaften Figur durch einen Jungen aufwarten, der sich überdies noch für die Dreharbeiten am ganzen Körper in ein verwildertes Scheusal schminken läßt.
Außenseiter Sam verspürt sofort eine Affinität zu dem Wolfsjungen. In der Rolle überrascht Newcomer Maurice Luijten mit ebenfalls hohem physischem Einsatz. Sam hat eine traumatische Vorgeschichte, die im Film nicht näher erläutert wird. Sam ist jedenfalls ein Sonderling. Seine Teilnahme an der Pfadfinderfreizeit ist Teil einer therapeutischen und pädagogischen Maßnahme, mit der Betreuer Kris als Sams Mentor betraut ist. Der wiederum steht in einem angespannten Verhältnis zu seinem Kollegen Peter.
Sam erfährt vom ersten Moment an Gewalt und Demütigung durch den sadistischen Betreuer Peter und durch die Gruppe der anderen Jungs, die Peter mit Bewunderung folgen und in dem Verhalten schon von ihm geprägt sind. Kris kann Sam nicht immer ausreichend schützen. Klar ist: Sam fühlt sich extrem unwohl, am falschen Ort, in falscher Gesellschaft, sucht nach einem Ausweg. Fantasie, Alptraum und Wirklichkeit gehen bei Sam ineinander über. Die Begegnung mit dem maskierten Waldjungen Kai fasziniert Sam. Er fühlt sich von dem andersartigen Wesen mehr angezogen als verängstigt.
Die brutale Art, wie Sam vom Jugendgruppenleiter Peter behandelt wird, baut jedenfalls in dem Heranwachsenden eine gefährliche Wut auf. Kai zeigt ihm den Weg, alle Hemmungen abzuschütteln. Der Wendepunkt ist der Moment, wo Sam von Peters abgerichtetem Hund gebissen wird. Kai ermutigt Sam, den Hund totzuschlagen. Sam zögert noch, aber dann packt ihn der Rausch einer Gelegenheit, sich an dem Hund und vor allem an Peter zu rächen. Fasziniert von diesem Akt der Befreiung folgt Sam dem animalischen Gefährten in ein Schicksal, welches ihn mehr erfüllt als sein bisheriges unglückliches Dasein unter den Menschen. Der Junge ist dafür bestimmt, an diesem grausigen Ort eine neue Welt zu finden.
In der Essenz der Story geht es um die Form der Reaktion auf seelische Demütigungen. Statt sich mit moralischen Fesseln selbst in Haft zu nehmen und daran zugrunde zu gehen, spiegelt Sam das ihm zugefügte Unrecht mit instinktiver Gegengewalt. Auf die Brutalität, die ihm angetan wird, antwortet er mit der Aufnahme eines kompromißlosen Überlebenskampfs. Das Opfer mutiert zum Raubtier. Die Beute verwandelt sich in den Jäger. Sam mutiert vom gequälten, traumatisierten Jungen, der sich in dieser Welt fremd fühlt, zum wilden Wesen, das alle zivilisatorischen Normen abstreift. Schließlich nimmt er Identität und Stellung von Kai ein, indem er diesen in einem Zweikampf tötet.
Welche Persönlichkeit Kai gewesen war, das bleibt im Dunkeln. Auf jeden Fall war noch etwas Menschliches, sogar Kindliches in ihm. Das beweist sich darin, daß anfänglich seine Neugier über die destruktiven Antriebe dominiert. In Sam erkennt der einsame Waldjunge einen Seelenverwandten, möchte ihn sich vielleicht zum Freund machen. Kai zeigt ein soziales Bedürfnis, das sein Meister nicht kennt, und das sein Nachfolger wahrscheinlich auch nicht mehr besitzen wird. Ob Kai real ist oder ein Produkt von Sams Imagination, das bleibt offen. Beide Varianten sind möglich.
Kai war der Gehilfe eines Mannes, der als Rächer in dem Wald lebt und raffinierte Fallen baut, um möglichst alle Menschen umzubringen, die dort auftauchen. Es gibt nur eine vage Andeutung, wer der Mann ist. Er dürfte wohl ein ehemaliger Arbeiter der stillgelegten örtlichen Fabrik sein, der die Zerstörung seiner Existenz durch den Verlust des Arbeitsplatzes nicht verkraften konnte. Der Mann hat also ein Motiv, weshalb er zum Monster geworden ist, genau wie Sam ein Motiv hat, sein bisheriges Leben zu quittieren und sich dem Rächer anzuschließen. Durch diesen psychologischen Hintergrund unterscheidet sich "Camp Evil" von vielen sinnfreien Horrorfilmen, in denen die monströsen Gewalttäter keiner logischen Genese entspringen, sondern nur die Lust der Filmemacher und ihres Publikums an tabubrechendem Gemetzel spiegeln.

© 2015 Minifant
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Prometheus

Dr. Hasenbein

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2

Freitag, 21. Oktober 2016, 18:02

Zitat

Schließlich nimmt er Identität und Stellung von Kai ein, indem er diesen in einem Zweikampf tötet.


Ich persönlich vermute, dass Sam und Kai Zwillingsbrüder sind und Sam die Grube nicht überlebt haben könnte.

Zitat

Ob Kai real ist oder ein Produkt von Sams Imagination, das bleibt offen.


Als Sam sich in den unterirdischen Bunker geschlichen hat, um das Mädchen zu befreien, reagiert der Erwachsene auf den Eindringling. Sam und Kai bekämpfen sich später mit dem Messer, dass der Mann vorher in die Grube geworfen hatte, während er belustigt darüber zusieht. Die Reaktionen von diesem Mann würden keinen Sinn ergeben, wenn es Kai nicht gäbe.

Die Idee des Films ist nicht schlecht, aber er versäumt es mehr Klarheit über Motive und die Hintergründe zu schaffen, liefert darüber hinaus auch eine in weiten Teilen fragwürdige Moral, verbreitet von Anfang bis Ende nur negative Stimmung zwischen allen Beteiligten Charakteren. Richtige Freundschaft und Zusammenhalt scheint es nicht zu geben, da entweder jeder für sich oder alle gegeneinander handeln. Zusammenhalt wird insofern nur bei abendlichen Pfandfindergesängen "simuliert", die scheinbar wahllos in den Film integriert wurden. (sie fügen sich atmosphärisch irgendwie nicht in den Film ein) Man könnte meinen die Pfandfindergruppe ist eine bloße Fassade, denn so richtig motiviert scheint keiner zu sein. Nicht (nur) die gezeigte Gewalt ist das grausamste im Film, sondern der Umgang der Personen untereinander.
Vive et alios sine vivere!

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samuel

findosbuecher.com

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3

Freitag, 21. Oktober 2016, 23:47

Pfandfindergruppe


Wie viel sammelst du so täglich? Kann man davon leben? ;)
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samuelclemens

Herrscher über Raum, Zeit und Materie

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Wohnort: Wo immer ich meinen Umhang fallen lasse!

4

Samstag, 22. Oktober 2016, 00:47

Pfandfindergruppe


Wie viel sammelst du so täglich? Kann man davon leben? ;)


Aber Holla...!
Der Pandflaschensammler in unserer Gegend hat sich nun sogar einen Zweitwagen zugelegt...

[attach]54841[/attach]

Hab schon überlegt ins Geschäft einzusteigen. Aber die Beitragszahlungen der hießigen "Gewerkschaft" fressen arg am Erlös! Da hätte man scho früher anfangen müssen damit sichs lohnt. Die besten Reviere sind bereits in festen Händen und er Konkurrenzkamf ist sprichwörtlich hart ...



Und die organisierten Pfandfindergruppen machen auch keinen schlechten Schnitt:
Über 1800 € an einem Arbeitstag 8|

[attach]54842[/attach]

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »samuelclemens« (22. Oktober 2016, 00:56)

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Ender

Torwächter

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5

Samstag, 22. Oktober 2016, 00:52

Ich bin sicher, Prometheus wird überwältigt sein. ;)

Ender
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Hans-Dietrich Genscher
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Prometheus

Dr. Hasenbein

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6

Samstag, 22. Oktober 2016, 03:02

Ja is ja gut, ich hab mich diesbezüglich vertippt...sogar zwei mal. :)

Wenn mal die nitpickers hier wenigstens auch was zum Thema beitragen könnten, aber neeein. :rolleyes: :D
Vive et alios sine vivere!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Prometheus« (22. Oktober 2016, 03:09)

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Ender

Torwächter

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7

Samstag, 22. Oktober 2016, 03:22

Nun mecker mal nicht. samuelclemens hat sich doch nun wirklich große Mühe gegeben. ;)

Ender
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Hans-Dietrich Genscher
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samuel

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8

Samstag, 22. Oktober 2016, 05:23

Würde gerne was zum Thema beitragen, dazu müsste ich aber den Film sehen.
Den habt ihr mir durch die Diskussion hier und woanders aber gründlich vergellt.
Das, was ich an Ausschnitten kenne, hat mich auch abgeschreckt.

Nein danke, Alpträume will ich jetzt auch nicht provozieren.
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Prometheus

Dr. Hasenbein

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9

Samstag, 22. Oktober 2016, 17:02

Nun mecker mal nicht. samuelclemens hat sich doch nun wirklich große Mühe gegeben. ;)

Ender


Ich und meckern? :huh:

[attach]54848[/attach]

Ich bitte dich.

[attach]54849[/attach]


:)
Vive et alios sine vivere!

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